schlaflose Tage

Ich habe länger nichts geschrieben, obwohl ich mir sicher war, wenn ich pausiere,  bevor ich überhaupt angefangen habe mit den bloggen, werde ich niemals erfolgreich sein, aber wisst ihr was, das ist mir egal und überhaupt, wie definiere ich eigenen Erfolg?

Ich bin momentan in einer manischen Phase,ich denke, wenn ihr meine voherigen Artikel gelesen habt, merkt das ein geschultes Auge.

Am Mittwoch habe ich beschlossen mir ein Tattoo stechen zu lassen, ich muss dazu sagen, es ist nicht mein Erstes. Donnerstag habe ich einen kurzfristigen Termin  bei einem anerkannten Tatowierer bekommen und habe mich fünf Stunden quälen lassen.

Während ich also auf der Liege lag, begriff ich, dass ich grade in einer manischen Phase war, denn jedes meiner Tattoos steht für eine manische Phase. Diese Einsicht, macht glücklich und verzweifelt zugleich, ich weiß die nächsten Monate werden großartig und entzückend. Der Sex mit meinem Mann war fantastisch und alles fällt mir leicht, ich bin WACH, das Leben beflügelt. Endlich ist mein Leben bunt! Ich weiß am besten, das es da ein ABER gibt. Nach diesem beglückenden Hoch, kommt die tiefe, erschütternde Dunkelheit voller Seelenqual,  aber jetzt konzentriere ich mich auf mein Glück.

schlaflose Nacht

Eigentlich ging es mir ganz gut, aber sobald ich mich ins Bett legte, fingen die Gedanken an. Dieser Blog besteht nun seit einigen Tagen, ich dachte nicht, dass das Schreiben mich so aufwühlen würde. 

Ich war so unruhig, 1000. Gedanken schossen mir durch den Kopf. Die Kommentare von euch berührten mich sehr, so viele Menschen,  die sich Gedanken über mich und meine Situation machten. Alle meinen es gut und geben hilfreiche Tipps. Ich bin berührt!

Seit gestern weiß ich, dass meine Gefühle meiner Mutter gegenüber gerechtfertigt sind, dass ich kein schlechtes Gewissen haben brauche. Ich weiß nun, dass meine Mutter krank war und mich psychisch misshandelt hat.

Immer mehr Erinnerungen schießen hoch. Sie schmerzen und sind schwer auszuhalten. Ich bin stolz auf mich. Ich habe es überstanden,  es ist vorbei. Ich bin meiner Mutter nichts schuldig.

Ich begreife die Zusammenhänge langsam, mein Herz pocht, ich bin aufgeregt. Ich weiß mein Leben muss und darf sich ändern. Letzte Nacht konnte ich es annehmen, ich bin eine Kämpferin.

Danke an alle, für die lieben, verständnisvollen und aufbauenden Worte, heute fühle ich mich stark

Zwiegespalten in der Trauer um meinen Vater

Einen Elternteil zu verlieren ist schlimm, egal wie schwierig die Beziehung war, der Verlust hinterlässt einen Schatten. Schon vor dem Tod meines Vaters hatte ich zwiegespaltende  Gefühle meinem Vater gegenüber, einerseits eine von Gewalt und autorität geprägte Erziehung, andererseits die Sicht auf die schwierige Vergangenheit meines Vaters und seiner Lebensgeschichte. 

Meine Mutter war für mich die Initiatorin,  aber mein Vater war kein Opfer, sondern stiller Beobachter. Die Verantwortung für sein Nichthandeln liegt bei ihm. 

Ich vermisse ihn, denn in Zeiten, wo ich nicht mehr weiterkonnte, hat er mich immer wieder aus dem Dreck gezogen.

Die Träume verfolgen mich, mein Vater steht vor mir und weint, er entschuldigt sich, aber ich kann nicht vergeben. Zu groß war das Leid,  dass er hätte verhindern können. Ich bin so wütend, wütend, dass wir nichts mehr klären können.

Es gilt zu akzeptieren, zu trauern und auch die negativen Gefühle sind legitim. 

In jedem Menschen steckt ein Künstler 

Schon in der Grundschule war Kunst mein absolutes Hassfach. Sobald ein Lehrer nur in die Nähe meines Kunstwerks kam, versuchte ich dieses schnell unter den Tisch zu schieben, damit ich nicht wieder die Häme meines Lehrers zu spüren bekam. Meine Bilder sahen aus, wie Kleinkindkritzeleien. Das sah ich auch ein. 

In meiner Ausbildung begegnete ich einer Kunsttherapeutin, sie war die erste, die mich ermutigte weiterzumalen. Ich fing an meine Werke zu schätzen, auch wenn sie nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprachen. 

Heute weiß ich, dass die Lehrkörper in meiner Schulzeit unrecht hatten, denn ein Kunstwerk, kann nicht benotet werden, es lebt von dem Gefühl des Künstlers und ist somit immer Ausdruck der Lebenswelt des Künstlers. Menschen und vor allen Kinder zu entmutigen und zu entwerten, kann nicht richtig sein.

Ich bemerkte, dass  durch das Malen, meine tiefsten Ängste zum Vorschein kamen, die Dinge, die ich fühlte und nicht aussprechen konnte, lagen vor mir auf dem Papier, das gab mir ein komisches Gefühl, denn von den Werken fühlte ich mich verstanden. Jetzt verstand ich, warum Menschen malten, es ging nie darum, was andere über meine Kritzeleien dachten, sondern darum, was ich in meinen Werken sehe und fühle. 

Eine Mutter die nicht liebt

Meine Mutter konnte mir nicht oft genug sagen, dass ich falsch war. Meine ganze Kindheit glaubte ich ihr, ich bin dumm und nichts wert. Ich bin zu dick und kann nichts. Wie sich das auf mich ausgewirkt hat, ist klar. Es musste alles stimmen, schließlich ist sie meine Mutter.

Meine Geschwister bekamen alles von ihr, ich bekam nichts. Meine Mutter zeigte mit täglich, dass ich für sie keinen Wert habe. Es gab für mich keinen Schutzraum, man durfte gemein zu mir sein. Ich fühlte mich so allein, nur wenn mein Vater zu Hause war hatte ich Schutz. 

Ich beobachtete häufig andere Mütter, hätte ich wählen können, ich hätte meine  Mutter getauscht. Ich wollte nur anerkannt werden. 

Wenn meine Geschwister ärger machten, war ich die erste die Schläge bekam. Auch wenn ich nichts getan habe, bekam ich alle Wut und Aggression meiner Mutter zu spüren. Meine Mutter hat mir häufig die Finger gebrochen und mich schwef verletzt, aber kein Arzt kam jemals auf die Idee, dass meine Mutter mir die Verletzungen zugefügt wurden.

Meine Mutter war der Meinung ich sei böse und von Dämonen besessen . Sie wollte die Dämonen rausprügeln. Häufig musste ich mich komplett nackt ausziehen und ich bekam den Kochlöffel auf dem ganzen Körper zu spüren.

Bis heute weiß ich nicht, warum sie mich ablehnte, ich bemühte mich, alles richtig zu machen, trotzdem war alles falsch. Gott hat die Erlaubnis gegeben, seine Kinder zu züchtigen, diese Erklärung musste ausreichen. 

Heute weiß ich,  dass ich das perfekte Opfer für sie war und trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen,  den Kontakt so klein wie möglich zu halten.  Komisch,  dass meine Mutter immer noch Gewalt über mich hat.

Ich bin selber Mama eines Sohnes, ich würde ihm nie Gewalt antun, nie niedermachen, oder ihm schaden. Wie kann eine Mutter so gemein sein? Das ist doch keine Liebe!

Wie ich mir das Leben nehmen wollte

In letzter Zeit kommen bei mir immer mehr Erinnerungen hoch. Jahrelang waren sie mir nicht bewusst.Als ich drei Jahre alt war starb meine kleine Schwester. Wir waren als Familie zu Besuch bei Freunden in Bayern. Ich habe mich sehr auf den Kurztrip gefreut. 

In dem Kofferraum unseres Autos wurde ein provisorisches Bett gebaut, ich wurde mit meiner kleinen Schwester und meinem kleinen Bruder ins Auto verfrachtet. Ich wurde von lauten Schreien geweckt, meine kleine Schwester war tod.

Sie lag einfach da, sie war kalt,meine Mutter schüttelte sie, aber es war zu spät, sie hat einfach zu atmen aufgehört und ich habe einfach geschlafen,  ich fühlte mich verantwortlich. 

Meine Eltern erklärten mir sie sei im Himmel,  Gott wollte sie bei sich haben. Ich war neidisch und fragte mich, warum Gott mich nicht bei sich haben wollte. Ich wollte zu meiner Schwester, es tat mir so leid, dass ich ihr nicht helfen konnte, dass ich nicht gut genug aufgepasst habe.

Unsere Nachbarn hatten einen Teich. Meine Eltern haben mir verboten, in den Garten der Nachbarn zu gehen, sie erklärten mir, dass das Wasser nicht tief sein muss, um zu ertrinken. 

Es war Winter und der Schnee lag knöchelhoch, meine Mutter war im Haushalt beschäftigt,  ich lief zum Nachbargrundstück und näherte mich dem Teich, er sah nicht gefährlich aus. Ich setzte mich an den Teich und beobachtete die orangenen Fische.

Ich kippte nach vorn, danach gab es nur kälte ich kämpfte nicht dagegen an, ich ließ mich einfach fallen, ich wusste bald bin ich bei meiner Schwester und bei Gott.

Meine nächste Erinnerung ist,  dass ich auf dem Sofa zu mir kam. Ich konnte meinen Eltern nicht sagen, dass ich absichtlich gesprungen bin, ich schämte mich. Ich weiß nur, dass ich bedauerte und mich ärgerte es nicht geschafft zu haben.

Papa ist tod

Es war ein ganz normaler Samstag, wie jeder andere auch. Mein kleiner Bruder war zu Besuch und wir waren in diesem kleinen Skateladen in Hamburg. Einen Tag vorher habe ich noch mit meinem Vater telefoniert,  ich war kurz angebunden, da ich grade in der Bûcherhalle war und dort telefonieren strengstens verboten war.

Ihn schien irgendetwas zu bedrücken, wir beendeten das Gespräch und verschoben das Telefonat auf Sonntag, wie hätte ich wissen können, dass es das letzte Mal war, dass ich die Stimme meines Vaters hörte.

An dem Samstag war ich grade dabei für die Jungs zu kochen, das Telefon klingelte, es war meine große Schwester. Da sie nur zu meinen Geburtstagen anrief, versuchte ich meine Mutter zu erreichen, als sie endlich den Hörer abnahm, sagte sie bloß ,,Papa ist tod, du brauchst nicht traurig sein.“

In meinem Kopf drehte sich alles, ich musste zur Toilette, mir war so übel, ich kotzte mir die Seele aus dem Leib. Ich wusste nicht, wie ich meinem Bruder beibringen konnte, dass unser Papa gestorben ist. Er hatte einen Herzinfarkt auf dem Sofa, jeder Wiederbelebungsversuch scheiterte.

Mein kleiner Bruder merkte , dass etwas nicht stimmt und ich sagte es einfach wie es ist. ,,Papa ist tod.“ Wir hielten uns ganz fest, es gab nichts was ich tun konnte, wir liefen rauß zum Deich, mein Bruder schrie und ich lief ihm einfach hinterher. Ich fühlte Nichts.

So ist also das Leben,  es reißt einen einfach heraus, ohne zu fragen, ohne irgendeine Verantwortung zu übernehmen,  es ist einfach vorbei.