Zwiegespalten in der Trauer um meinen Vater

Einen Elternteil zu verlieren ist schlimm, egal wie schwierig die Beziehung war, der Verlust hinterlässt einen Schatten. Schon vor dem Tod meines Vaters hatte ich zwiegespaltende  Gefühle meinem Vater gegenüber, einerseits eine von Gewalt und autorität geprägte Erziehung, andererseits die Sicht auf die schwierige Vergangenheit meines Vaters und seiner Lebensgeschichte. 

Meine Mutter war für mich die Initiatorin,  aber mein Vater war kein Opfer, sondern stiller Beobachter. Die Verantwortung für sein Nichthandeln liegt bei ihm. 

Ich vermisse ihn, denn in Zeiten, wo ich nicht mehr weiterkonnte, hat er mich immer wieder aus dem Dreck gezogen.

Die Träume verfolgen mich, mein Vater steht vor mir und weint, er entschuldigt sich, aber ich kann nicht vergeben. Zu groß war das Leid,  dass er hätte verhindern können. Ich bin so wütend, wütend, dass wir nichts mehr klären können.

Es gilt zu akzeptieren, zu trauern und auch die negativen Gefühle sind legitim. 

Autor: schwarzundbunt

Da wo ich herkomme, gibt es eine Welt, die unglaublich und verrückt ist, sodass niemand, der jemals selbst in Ihr war, Sie wirklich verstehen kann

10 Kommentare zu „Zwiegespalten in der Trauer um meinen Vater“

  1. Ich sehe alles, was im Leben passiert als einen Lernprozess. Und manchmal sind diese Lehren wie ein Schlag ins Gesicht. Vergebung kann Dir durchaus bei der Verarbeitung Deiner Vergangenheit helfen. Vergessen wird man traumatisches nicht können, aber man kann zumindest versuchen zu vergeben – auch wenn der Schmerz sehr groß ist!

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  2. Hallo.

    Für mich war mein Vater, die mütterliche Seite in der Elternkonstellation, wie ich gerade feststelle.
    Meine Mutter…war… nein, mütterlich war sie nicht…

    Mein Vater war ein seltsamer Mensch, sehr neurotisch, doch mit Herzenswärme und Humor, was ich oft aber nicht sehen konnte, weil er mir mitunter lasch und kindisch vorkam.

    Den Tod meines Vaters habe ich ein wenig betrauert, den meiner Mutter nicht, der war eher befreiend für mich; wobei ich mich schon einige Jahre vor ihrem Tod gänzlich von ihr losgesagt habe; ich bin nicht zu ihrer Beerdigung gegangen und kenne auch das Grab nicht.

    Und trotzdem; egal, wie Eltern sein mögen, sie sind ein großes Stück unserer Gewohnheit und wenn sie nicht mehr sind, verändert das.

    Doch Eltern können auch dadurch, daß sie als Kind Opfer waren zu Tätern werden.
    Heute weiß ich einiges mehr über das Elternhaus und das Umfeld meiner Eltern und das war sehr hilfreich für mich. Es lohnt sich, einmal dort nachzuschauen.

    Liebe Grüße,
    Frank

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  3. Das kann ich durchaus verstehe. meinen Eltern geht es beiden sehr schlecht. Ich denke, dass meine Mutter nicht mehr lange da sein wird, das macht mich traurig, aber ich weiss, dass ich sie gehen lassen muss. Sie ist schon lange sehr krank und ihr Leben macht ihr keinen Spass mehr und ist schmerzvoll. Auch meinem Vater geht es schlecht, doch da empfinde ich ganz anders. Er ist ein eigenartiger Mensch, ich kenne keine Nähe zu ihm, er ist mir nie ein richtiger Vater gewesen, wie man das auch verstehen mag. Er ist aufbrausend und von Wärme keine Spur. In dieser Hinsicht werde ich seinen Tod nicht sonderlich betrauern. Nun gut, beide sind alt, jeder muss mal gehen und bei beiden scheint es bald der Fall zu sein. Befreie dich von deiner Vergangenheit, setze dich mit ihr auseinander, um zu verstehen und loslassen zu können…Nur so ändert sich was. LG Birgit

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  4. Hey.

    Ich habe mich mal quer durchgelesen bei dir und muss dir vorweg sagen, dass ich deinen Lebenswillen und Mut bewundere. Sich dem Leben nach so einem Start stellen zu können, mit der Herausforderung, die dein Sohn hier noch zusätzlich darstellt, das erfordert sehr viel Kraft; meinen Respekt dafür.

    Was mir gerade bei diesem Beitrag im Vergleich zu dem von gestern (5.3.) auffiel ist, wie unterschiedlich dein Vater in diesen beiden Beiträgen erscheint. Im aktuelleren wirkt er und die Erinnerung an ihn fast verklärt, so viel positiven Einfluss siehst du bei ihm. Ich wollte einmal fragen, ob du weißt, warum er dich nicht schützen konnte. Vor deiner Mutter und auch vor sich. Oder war nur sie diejenige, die eine ’strenge‘ Erziehung praktiziert hat?

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