Wie ich fast meine Wohnung verlor

Ich war alleinerziehend mit einem autistischen Kind, psychisch labil und völlig auf mich allein gestellt. Ich habe alles verloren und hatte nicht die Energie zum Amt zu gehen, so ging das drei Monate. Mein Sohn und ich lebten vom Kindergeld und dem Unterhalt. 

Ich war zahlungsunfähig.  Ich bezahlte keine Miete und keinen Strom, drei Monate, verdrängte ich die Briefe des Vermieters und des Stromanbieters. Eines Tages, es war ein Freitag,  kamen wir nach Hause und der Strom war abgestellt. Ich erklärte meinem Sohn, der Strom sei kaputt, wir kauften Kerzen und spielten den ganzen Abend lang Brettspiele,  für den kleinen war es ein Abenteuer,  für mich ein Versagen auf ganzer Linie. Ich war so verzweifelt,  wie sollte ich das Geld zusammen sammeln?

Ich habe zwei Nächte nicht geschlafen und mir Gedanken gemacht, wie ich an Geld kommen könnte. Ich wusste, wenn ich nicht bald eine Lösung finden würde , würde ich alles verlieren. 

Ich habe ernsthaft mit dem Gedanken gespielt meinen Körper zu verkaufen, eine Scheinehe einzugehen, oder kriminell zu werden, aber es fehlte mir die Kraft.

In der zweiten schlaflosen Nacht, öffnete ich die vielen Briefe des Vermieters, ich konnte es nicht fassen, schon am Montag würden wir eine Zwangsräumung erleben,  ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte.

Ich packte die wichtigsten Dinge zusammen und brachte meinen Sohn in die Kita, ich wusste wir könnten nie wieder zurück in unser Zu Hause.

Um 16 Uhr holte ich meinen Sohn aus der kita ab, wir fuhren zum Hauptbahnhof,  mit meinem letzten Geld, wollte ich so weit weg wie möglich fahren, am liebsten ins Ausland. Mein Handy war den ganzen Tag auf lautlos gestellt, ich wollte mit niemanden sprechen.

Als ich auf mein Handy schaute, waren da viele verpasste Anrufe, auch von meinem Vater.  Er hat eine sms geschrieben,  dort stand nur drin ,, geh nach Hause, es ist alles geklärt.“

Wie der Vermieter meinen Vater ausfindig gemacht hat, weiß ich nicht, aber wir konnten zurück in die Wohnung. Das Telefonat mit meinem Vater, war das schwerste das ich je hatte. Er weinte und ich wusste nicht was ich sagen sollte.

Das Amt für Wohnungsnotfälle übernahm meine Mietschulden und auch die Stromkosten, ich war so erleichtert und trotzdem voller Scham.

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Autor: schwarzundbunt

Da wo ich herkomme, gibt es eine Welt, die unglaublich und verrückt ist, sodass niemand, der jemals selbst in Ihr war, Sie wirklich verstehen kann

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